In diesem Beitrag wollen wir uns einmal voll und ganz dem Thema Pferdeschur widmen.
Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um Ihrem Pferd den perfekten Schnitt zu verpassen!
Wir erklären
Tiefer Streifenschnitt Der Streifenschnitt eignet sich besonders gut für Robustpferde wie Isländer, Ponys oder Haflinger, die im Winter ein sehr dickes Fell bekommen, gleichzeitig aber rasch schwitzen. Wenn Sie sich für diese Variante der Pferdeschur entscheiden, sollte Ihr Pferd sich lediglich in leichter bis mittlerer Arbeit befinden. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Arten: Dem tiefen und dem hohen Streifenschnitt: Der tiefe Streifenschnitt: Hier wird bei der Ganasche angesetzt. Die obere Linie der Schur führt durch die Schulter und endet an der Flanke. Geschoren werden also der Unterhals, der Bauch und die Brust. Die Beine (von Knien und Ellenbögen abwärts), wie auch das Gesicht bleiben dabei stehen. (Grafik) Der hohe Streifenschnitt Diese Variante funktioniert sehr ähnlich wie die oben beschriebene – allerdings wird bereits am obersten Punkt des Nackens, also direkt hinter den Ohren, angesetzt, und auch die Schulter wird von der Linie ganz oben touchiert. Vorteile des Streifenschnitts: Beim Deckenschnitt bleibt lediglich das Fell an Kopf, den Beinen und am Widerrist stehen. Da der Hals und der Bauch frei sind, schwitzt das Pferd bei leichter bis normaler Arbeit kaum. Das Fell an Rücken und Kruppe ermöglicht es aber, das Pferd auch im Gelände ohne Decke zu reiten. Besonders rückenempfindliche Pferde profitieren von der wärmenden Fellschicht am Rücken. Vorteile des Deckenschnitts: Diese Form der Pferdeschur trägt ihren Namen, weil traditionell Jagdpferde im Spätherbst so geschoren werden. Auch bei hartem Training schwitzen die Pferde mit diesem Schnitt so gut wie gar nicht – darum eignet er sich vor allem jene Tiere, die regelmäßig und intensiv arbeiten müssen, beispielsweise Turnierpferde Das Fell auf der Sattellage lässt man deswegen stehen, weil ungeschorenes Fell oftmals empfindlicher ist als geschorenes, und somit Satteldruck vermieden wird. Beachten Sie bei diesem Schnitt, dass Ihr Pferd eine Decke benötigt – und zwar nicht nur während der Zeit im Stall oder auf der Weide, sondern auch während der Schrittarbeit oder beim Ausreiten. Wie genau sieht der Hunterschnitt aus? Am besten zieht man eine Linie oberhalb von Ellenbogen und Knie (die Form der Muskulatur an diesen Stellen gibt zumeist eine schöne Linienführung vor). Alle Bereiche oberhalb, also auch der gesamte Bauch- und Kopfbereich werden geschoren. Vorteile: Nachteile: Wie der Name verrät, wird das Pferd hier komplett geschoren – ausgespart werden lediglich die Stellen an den Ohren und rund um das Maul. Die meisten Pferde sind hier nicht nur äußerst sensibel, ein Entfernen der Tasthaare würde das Tier empfindlich stören, und es sogar in seinem Tastsinn beeinträchtigen. Vorteile Nachteile Ein Minimum an 2-3 Stunden sollten Sie einplanen, wenn Sie Ihr Pferd scheren. Sollte es für Ihr Pferd das erste Mal sein, legen Sie vorsichtshalber noch eine oder zwei Stunden drauf – man weiß schließlich nie, wie es auf die neuen Eindrücke reagieren wird. Womöglich müssen Sie sogar zwischendurch eine Pause einlegen. Keinesfalls dürfen Sie dann aber unter Zeitdruck stehen. Pferde spüren das und werden noch unruhiger – denkbar schlechte Voraussetzungen! Also besser mal etwas mehr Zeit einplanen, als zu wenig! Wenn möglich, wählen Sie auch einen Zeitpunkt, zu dem Ihr Pferd ausgeglichen und satt, vielleicht auch etwas müde ist.
Die häufigsten Schnittmuster, und für welche Pferde sie sich eignen
1. Der Streifenschnitt:
2. Der Deckenschnitt:
Der Hunter- oder Jagdschnitt
Die Komplettschur
Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Pferdeschur
Was Sie alles für die Pferdeschur benötigen:
Die Schermaschine
Strombetriebene Schermaschinen
Verfügen über zwei Messer, von denen eines fest ist, und das andere sich darüber hin und her bewegt. Achten Sie darauf, dass Ihr Gerät so leise wie möglich arbeitet, und gleichzeitig leistungsstark ist, um nicht zu schnell heißzulaufen.
Batteriebetriebene Schermaschinen laufen in der Regel etwas leiser als strombetriebene, und eignen sich daher besonders gut für die sensiblen Stellen am Kopf. Auch die Gefahr, dass das Pferd auf ein Kabel tritt, besteht hier nicht.
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Die Klingen
Die Klingen müssen in jedem Fall scharf sein – je schärfer, umso einfacher wird Ihnen das Scheren von der Hand gehen.
Achten Sie auch darauf, ein Reservemesser zur Hand zu haben. Es kann ganz schön nervig sein, wenn plötzlich das Messer abgestumpft ist, man aber erst eine Hälfte des Pferdes geschoren hat.
Sie müssen die Klingen vor und während der Pferdeschur reinigen und einölen: Nur wirklich saubere Klingen arbeiten einwandfrei. Lassen Sie die Schermaschine nach dem Beschichten mit Öl kurz laufen – so verteilt sich die Flüssigkeit besser, was auch die Messer glatter laufen lässt.
Die Spannung
Weiters sollten Sie eine Bürste oder einen Pinsel zum Abbürsten der Haarstoppeln bereithalten.
Vermeiden Sie unbedingt, dass Ihr Pferd beim Scheren auf das Kabel tritt! Es könnte einen Stromschlag abbekommen, und die Kombination aus Eisen und Strom kann wirklich unangenehme Folgen haben! Sie können beispielsweise das Kabel an einem Gürtel mit eingehängtem Karabiner befestigen und so vom Boden fernhalten.
- Halten Sie die Schermaschine(n), das Öl, ein Verlängerungskabel, eine Bürste zum Reinigen der Maschine und am besten auch einen Eimer mit warmem Wasser bereit, bevor Sie mit der Pferdeschur beginnen.
- Die richtige Kleidung ist auch von Vorteil: Abgeschorene Haare können sich furchtbar hartnäckig festhängen und zudem zu Juckreiz führen. Vermeiden Sie Stoffe aus Fleece oder Wollpullis!!
Die Vorbereitung des Pferdes
Zeichnen Sie Linien an den Stellen, wo Sie das Fell abscheren werden. Am besten funktioniert dies mit Kreide. Die Linien sollten gerade und auf beiden Seiten synchron verlaufen, um ein perfektes Endergebnis zu erzielen.
Bandagieren Sie den Schweif, damit er Ihnen beim Scheren nicht in die Quere kommt.
Gewöhnen Sie das Pferd an die Schermaschine:
Ein Pferd, das sich vor dem Summen dieses Geräts fürchtet, lässt sich nur ungern scheren. Meistens hilft es bereits, dem Pferd die Maschine erst zu zeigen. Reagiert es auf das ungewohnte Geräusch beim Einschalten hektisch, hat es sich schon des Öfteren bewährt, es erst auf Abstand zu halten. Nach und nach gewöhnt sich das Pferd daran und akzeptiert es in der Regel auch bald in seiner unmittelbaren Nähe. Auch die Vibration an der Haut kann das Pferd verunsichern. Berühren Sie es erst mal nur mit der Schermaschine, ohne dabei Fell zu entfernen. So geben Sie dem Tier ausreichend Zeit, sich auf das Neue einzulassen.
So gelingt die perfekte Pferdeschur
Positionieren Sie sich zwischen Pferd und Stromkabel, sodass das Pferd nicht darauf treten kann.
- Am besten beginnen Sie an einer weniger empfindlichen Stelle: Die meisten Pferde akzeptieren die Berührung mit der Schermaschine auf Schulterhöhe.
- Scheren Sie in sanften, langen Streifen – und zwar stets gegen die Fellwuchsrichtung.
- Um ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen, scheren Sie in schmalen Sektionen und lassen Sie die einzelnen Streifen überlappen. Bei Fellwirbeln müssen Sie sich individuell nach dem Haarwuchs richten.
- Spannen Sie die Haut in Beugen oder Vertiefungen mit den Fingern, um gleichmäßig scheren zu können und eventuelle Hautfältchen nicht zu verletzen. An den Ellenbögen kann es hilfreich sein, jemanden zu bitten, das Bein anzuheben – so spannt sich die Haut besser über das Gelenk.
- Vorsicht bei Mähne und Schweif. Lieber einmal mehr zur anderen Seite fixieren oder flechten, als sich später über das versehentliche Wegschneiden des Langhaars ärgern!
- Sofern Sie eine Komplettschur vornehmen, ist besondere Vorsicht im Kopfbereich und an den knöchernen Stellen der Beine geboten. Da der Kopf und das Gesicht bei den meisten Pferden die empfindlichste Stelle darstellt, scheren Sie diesen Bereich lieber ganz zum Schluss! Wenn Sie den Kopf scheren, Hände weg von Tasthaaren und Ohrenhaaren! Keinesfalls dürfen Sie diese entfernen. Sie bieten dem Tier einen wichtigen Schutz, das Entfernen derselben wäre tierschutzwidrig!
- Stellen Sie erst eine Seite fertig, ehe sie mit der anderen beginnen.
Tipps für nervöse Pferde
Dies können Sie von mitunter vermeiden, wenn Sie folgende Dinge beachten:
- Organisieren Sie sich einen Helfer, der das Pferd haltet, es beruhigt oder ablenkt
- Stellen Sie das Pferd an einen ruhigen Ort, an dem es sich wohlfühlt und eventuell in der Nähe seiner Stallgenossen verbleiben kann.
- Stellen Sie ein Heunetz bereit, sowie genügend Leckerlis, um das Pferd regelmäßig zu loben und abzulenken
- Gewöhnen Sie Ihr Pferd langsam an die Schermaschine. (Wie oben beschrieben) Wenn es sich partout nicht an das Geräusch gewöhnen mag, versuchen Sie es mit Musik, die die Schermaschine übertönt.
- Besondere Vorsicht ist an den kitzeligen Stellen gefragt
- Starten Sie mit einem Streifenschnitt – verkraftet Ihr Pferd danach noch mehr, gehen Sie über zum Deckenschnitt, dann zum Jagdschnitt, etc. So können Sie zwischendurch abbrechen und die Pferdeschur an einem anderen Tag fortsetzen, ohne sich Gedanken über halbfertige und unschöne Schurmuster machen zu müssen.
Die richtige Decke nach der Pferdeschur
Sofern Sie sich für einen Jagdschnitt oder Komplettschnitt entschieden haben, müssen Sie Ihr Pferd nun natürlich eindecken: Gleichen Sie den fehlenden Schutz nun durch die der Temperatur angepassten Decke aus. Im Herbst genügt eine dünnere Übergangsdecke, im Winter sollte es schon eine etwas schwerere Decke sein. Auch im Outdoorbereich bedarf Ihr Pferd nun an zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit und Wind: Achten Sie darauf, dass die Decke atmungsaktiv und wasserdicht ist.
Zusätzlich müssen Sie nun auch bei der Schrittarbeit oder beim Ausreiten eine Abschwitzdecke oder Nierendecke verwenden, um den empfindlichen Rückenbereich während der Aufwärmphase und nach dem Training vor Zug und Kälte zu schützen.
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Fazit
Es mag viele verschiedene Meinungen über das Scheren und Eindecken von Pferden geben – vor allem bei Sportpferden ist und bleibt die jährliche Pferdeschur aber nun mal ein notwendiges Muss. Hingegen liegt bei Freizeitpferden die Entscheidung für oder gegen eine Schur oft beim Besitzer. Dann gilt es, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Kann es bei nervösen Pferden und unerfahrenen Besitzern öfters zur Herausforderung werden, wird die Prozedur in der Regel bei der Einhaltung der in diesem Artikel beschriebenen Regeln und Tipps spätestens beim zweiten oder dritten Mal zur Routine – und zwar für Pferd und Reiter!
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